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Macbeth steht für den fatalen Willen zur Macht und die Eigenlogik von Gewalt; denn soll die unrechtmäßig erlangte Macht erhalten bleiben, müssen weitere Verbrechen folgen. Doch Macbeth ist nicht wie Richard III. Der Kern der Fabel ist die kaum ausgeleuchtete Beziehung von Lady Macbeth und ihrem Mann, die Geschichte eines der seltsamsten Paare der Dramenliteratur.
Am Rand einer blutigen Schlacht, die Macbeth für seinen König Duncan schlägt, wird Macbeth selbst die Königskrone prophezeit. Das Orakel verleitet zur Tat, was Macbeth seiner Frau in Aussicht stellt, spornt sie an. Sie agitiert ihren Gatten, aus der Verheissung durch Königsmord Realität werden zu lassen. Bis kurz vor der Tat kämpft sie mit gewaltigem rhetorischem Aufwand gegen die Skrupel ihres Mannes. Mit einem Dolchstoß soll ihr beider Glück erzwungen werden, das Gegenteil ist der Fall. Durch die tödlichen Wunde tritt der Alptraum in ihre Welt. Gewissensbisse, Angstvisionen, Schlaflosigkeit werden auf die unsichere Situation zurückgeführt und verleiten dazu, den blutigen Pfad voran zu schreiten. Ganze Familien und engste Vertraute fallen dem Wahn der Macbeths, sie könnten sich in den Stand der Unschuld zurückmorden, zum Opfer.
Macbeth ist eines der kürzesten Stücke Shakespeares, die Handlung extrem verdichtet. Vor allem die nur vage erzählte Beziehungsgeschichte der Macbeths fordert die Phantasie heraus: das Schlafzimmer als Schlachtfeld, als innerstes Refugium der Macht. Die Schlüsselloch-Perspektive ermöglicht einen anderen Blick auf Macbeth. Das Intime offenbart sich als Urgrund politischen Handelns und politische Rastlosigkeit als Kompensation für private Stagnation.
Pressestimmen
“ (...) Wie viele Leute braucht man für eine große Shakespeare- Tragödie? Fünf. Und wie viel Zeit? Pausenfreie 110 Minuten. Wer das nicht glauben mag, konnte sich jetzt bei der „Macbeth“ –Inszenierung von Claudia Bauer im Schauspielhaus davon überzeugen, dass das klappt. Das man den intensiven, unsterblichen Stoff vom schwachen Königsmörder und seiner von Machtgier zerfressenen Frau so verdichten kann, dass quasi die Zeit still steht.... Daniel Breitfelder, Sebastian Stert und Marco Wohlwend als drei Hexen – und viele andere mehr. Dieses Trio hat nicht nur in Sachen optischer Verwandlung richtig was zu tun. Auch das Spektrum der Rollen und Positionswechsel zwingt zum Ziehen aller Register. Mit Erfolg: Großes Kino ist das. Dann Holger Kraft: Sein Macbeth ist kein großer Mann. Der Hauptdarsteller zeigt das Charakterbild eines Aufsteigers wider Willen, eines Schwächlings... Sophie Basse spielt sie, die Lady Macbeth. Und wie sie spielt!... Ein irres Bühnen- und Kostümbild (Patricia Talacko und Bernd Schneider) voller Details und erstaunlich kleiner Räume für schnelle, tiefgreifende (Ver-) Wandlungen. (...)“
(Wuppertaler Rundschau, 22.09.2010, Stefan Seitz)
“ (...) Erst am Ende ist Stille.... Claudia Bauer hat für Shakespeares Tragödie ein alptraumhaftes Szenario geschaffen, in dem die Titelfigur niemals zur Ruhe kommt.... Die atemlose Inzsenierung überzeugt. (...)“
(Musenblätter, 20.09.2010, Martin Hagemeyer)
Shakespeares Unheilsdrama über das Menschlich-Böse erkärt die Regisseurin nachvollziehbar als Psychodrama. Unstillbare Karrieresucht endet im Geistertod. Holger Krafts Macbeth entwickelt sich von der Nervösen Grinsebacke zum irrationalen Menschenschlächter, weil seine naive Sehnsucht nach Anerkennung, Liebe, Familie und einem Freundschaftskreis überwältigend ist. Sophie Basses Lady Macbeth zerfällt ganz heutig in Depressionen. „Ich bin müde,“ schreit sie mit letzter Kraft, bevor sie sich im Morgenmantel und mit zerzausten Haaren darniederlegt.... Den drei Hexen-Darstellern und ihren Wandlungskünsten zuzuschauen, macht großen Spaß. Das gleicht einer (gut gemachten) Geisterbahnfahrt zwischen Horrormärchenphantasie, Splattermovie und lächerlichen Kunstblutorgie. (...)
(nachtkritik, Sarah Heppekausen, 18.09.2010)