Mit: Anne-Catherine Studer
Inszenatorische Beratung: Jakob Fedler
Schneewittchen, die wegen ihrer Schönheit verfolgt wird, findet beim Jäger – entgegen dem ursprünglichen Märchen – kein Erbarmen. Ihre Schönheit bedeutet dem Tod nichts. Dornröschen, aus Jahrhunderte dauerndem Schlaf wachgeküsst, sieht sich nicht ihrem Retter, sondern ihrem Schöpfer in Gestalt des Prinzen gegenüber. Verdankt sich ihre Existenz nur einem Kuss? Märchenfiguren und historische Frauengestalten bevölkern die dramatischen Studien, die Elfriede Jelinek unter dem Titel Prinzessinnendramen. Der Tod und das Mädchen zusammengefasst hat. Die Assoziation zu Shakespeares Königsdramen ist durchaus gewollt. Doch hier machen nicht Männer Geschichte, sondern Frauen Geschichten: indem sie mit dem Anderen außerhalb und in sich selbst konfrontiert werden – mit ihren Rollen, die sie zu erfüllen haben; ihren Körpern, die als Projektionsfläche dienen; ihren Worten, die um die (Un-)Möglichkeit einer authentisch weiblichen Sprache und eines femininen Selbstverständnisses kreisen. Selbstironisch, komisch und auch bitterernst erzählt Jelinek eine Geschichte von der Denkart der Geschlechter und bahnt sich mit großer Lust an dem Aufeinanderprall beider einen grotesken Pfad durch das Niemandsland von weiblicher Identität, Fremdbestimmung und vorsorglicher Selbstkonditionierung.