//// Dauer: 3:00 h //// Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Beginn
Es gibt viele erfolgreiche Komponisten/Librettisten-Gespanne – eines der künstlerisch ertragreichsten ist das aus Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal. Die gemeinsame Arbeit dauerte 20 Jahre, begann mit Elektra im Jahre 1906, es folgten der Rosenkavalier, Ariadne auf Naxos, Die Frau ohne Schatten, Die Ägyptische Helena. In seinem letzten Libretto, kurz vor seinem Tod, hat Hofmannsthal ganz »die Tiefe an der Oberfläche versteckt« – eine nur scheinbar paradoxe Aussage. Die Geschichte des hochverschuldeten Spielers Graf Waldner, der sich mit seiner Familie vor der Welt in ein Hotel zurückgezogen hat, seine beiden Töchter wenigstens gut verheiraten möchte, die eine, Zdenka, zwingt, als junger Mann herumzulaufen, damit die andere, Arabella, umso illustrer glänze, umfängt eine lyrische, zerbrechliche, an vergangenes Glück erinnernde Melancholie und die Tragik falscher Entwürfe. Der explosive Gestus der Elektra ist aber nur scheinbar entschärft – die Sujets der späteren Opern sind andere, die Artistik der Kompositionen ist sublimer, die Konflikte sind sublimierter, ›oberflächlicher‹, maskierter. Die erzählte Welt der Arabella ist das Wien um 1860, entstanden aber ist die Oper Anfang der 30er Jahre; sie wurde 1933 uraufgeführt.
Die Rettung der Familie ist die gute Partie für die von Freiern umlagerte Arabella, doch es muss der ideale, wie aus dem Märchen entstiegene Mann sein: Mandryka. Die verzweifelt liebende Zdenka möchte nicht mehr Zdenko sein und stiftet amouröse Verwirrung, die die Liebe zwischen Arabella und Mandryka aufs Spiel setzt. Doch »die Liebenden beleben das Chaos« – letztendlich.
Pressestimmen
„(…) Peter Werner baut diese Bühne, die zuerst das Hotelzimmer der Waldners ist, die mit halb ausgepackten Kisten wohnen, immer auf dem Sprung, um vor den Gläubigern fliehen zu können. Georg Köhl inszeniert in dieser Umgebung gekonnt und vor allem mit tollem Konzept hinsichtlich der Personenführung. In jeder Phase des in der Karnevalszeit ansiedelten Stücks um Vertrauen und Hingabe gelingt es dem Regisseur, die Beziehungen der Figuren zu einander szenisch zu belegen – unterstützt von der absolut wirkungsvollen Lichtregie von Sebastian Ahrens, der herrlich Stimmungen untermauern kann. Dazu tragen auch die absolut sehenswerten Kostüme von Claus Stump bei (…)“.
„(…) Musikalisch ist die Arabella-Partitur bei Hilary Griffiths in den besten Händen. Das Sinfonieorchester Wuppertal schafft differenzierten Grund in den dialogischen Passagen, schwingt sich aber auch zu schwelgerische Fülle empor (…)“.
„(…) Riesenbeifall für Orchester, Dirigent, Solisten und das Regieteam (…)“.
Thomas Hilgemeier, Opernnetz, 7.03.2011
„(…) Die Wuppertaler Oper zeigt Arabella von Richard Strauss in einer unglaublich guten Ensemble-Leistung als sehr präzise Psycho-Studie…
„(…) Regisseur Georg Köhl gelingt eine sensible und unaufdringliche Annäherung an den Stoff. Er konzentriert sich vornehmlich auf die Figuren und deren Motivation und besticht durch seine klare Personenführung (…)“.
„(…) Ausgesprochen schön und überraschend gelungen ist die Wuppertaler Bühnenlösung: Peter Werner hat zunächst ein Hotelzimmer gebaut, in dem die durch Spielsucht entwurzelte Familie in Pappkartons haust. Diese Kulisse wandelt sich zum Ballsaal, und der ist dem denkmalgeschützten Wuppertaler Opernhaus selbst nachgebildet – eine ästhetisch ebenso überzeigende wie sinnfällige Idee (…)“.
„(…) Die Besetzung erstklassig und beweist eindrucksvoll, welche großartigen Sänger die Wuppertaler Oper derzeit engagiert hat. Banu Böke und Dorothea Brandt ergänzen sich als Arabella und Zdenka wunderbar. Banu Böke trifft mit ihrem samtdunklen Sopran und dessen mitunter geradezu keuscher Farbgebung genau den sehnsüchtigen-jungfräulichen Ton der Arabella. Dorothea Brandt harmoniert dazu mit glockensüßem, hellem Timbre. Schon allein das Duett der beiden Schwestern im ersten Akt lohnt die Reise nach Wuppertal (…)“.
Monika Willer, Der Westen, 7.03.2011
„(…) Diese Gesellschaftskomödie, die zur psychologischen Tragödie mutiert, traf sehr pointiert den Nerv des Premierenpublikums und setzt den derzeit erfolgreichen Lauf von qualitativ guten Produktionen an den Wuppertaler Bühnen erfreulich fort (…)“.
B. Kempen, Das Opernglas, Mai 2011