Das „Psychosoziale Zentrum für Flüchtlinge Düsseldorf“ hilft Menschen aus Krisenregionen der Welt. Es unterstützt traumatisierte Flüchtlinge und Folteropfer mit Psychotherapie, Beratung, Gruppen- und Sozialarbeit. Jährlich finden ungefähr 400 Menschen aus über 40 Ländern hier Hilfe.
Eine Gruppe junger Menschen aus dem PSZ hat sich zusammengefunden, um an den Wuppertaler Bühnen ein Theaterprojekt zu erarbeiten, das von ihren Geschichten, Verletzungen, Erlebnissen erzählt. Die schützende Folie, auf der dies geschieht, sind Geschichten, die einem spontanen Verständnis allen offenstehen: Märchen, Mythen, universelle Konstellationen, archaisches Wissen jenseits aller kulturellen Grenzen. Der deutsche Märchenwald ist eben nicht nur für Rotkäppchen unheimlich, er ist auch für die jungen Menschen aus Afrika „ein bisschen kalt“.
Inszenierung: Jakob Fedler //// Bühne: Jürgen Lier //// Kostüme: Svenja Göttler, Jörg Bäcker //// Dramaturgie: Johannes Blum //// Pädagogische Beratung: Dima Zito
Mit: Amina Daidova, Anteneh Leben, Bala Musa Daboe, Emeka Minabo, Mamadou Diallo, Victor Uche Ocafour, Yassin Bayo
Premiere: 12. Mai 2011, 20:00, Kleines Schauspielhaus
Weitere Vorstellung: 15. Mai 2011 17:00, FFT Düsseldorf
Presssestimmen:
"Rapunzel (Amina Daidova) sitzt auf der Schrankwand und kreischt. Der Prinz (Mamadou Diallo) eilt herbei: "Rapunzel, lass dein Haar herunter." Er klettert an ihren Haaren hinauf und sucht dabei mit den Füßen Halt auf den Regalböden. Er beruhigt sie. Dann steigt er wieder hinab. Und Rapunzel kreischt weiter.
So fremd einem diese Interpretation des berühmten Märchens auch vorkommen mag - ähnlich fremd muss sich wohl auch ein Mensch fühlen, der aus seiner Heimat in ein fremdes Land flüchten mußte.
Sechs solcher jungen Menschen haben versucht, ihren Gefühlen auf der Theaterbühne Ausdruck zu verleihen: sie feierten im Kleinen Schauspielhaus mit "Märchenwald. Ein bisschen kalt" Premiere. Sie alle sind Flüchtlinge aus Tschetschenien, Gambia, Nigeria und Guinea. Zuflucht fanden sie im Psychosozialen Zentrum Düsseldorf. Zusammen erarbeiteten sie ein Theaterstück, das Jakob Felder inszenierte. (...) Die Märchen wechseln sich ab, dazwischen werden Geschichten der Flüchtlinge erzählt. Mit Tempo und Ausdruck, aber auch vielen ruhigen Passagen ist das Stück sehr abwechslungsreich. (...) Victor Uche Okafor singt: "Keiner hat gesagt, es würde einfach sein. Aber hat auch keiner gesagt, dass es so schwer werden würde." Das weiß auch Bala Musa Daboe. Er erzählt von Schwierigkeiten und Ängsten in Deutschland, aber auch von der Hilfe, die er erhalten hat."
WZ 16.5.2011, Florian Ballin