»Es ist der Engels, der dir das alles eingibt.« Elberfeld 1849. Gottfried Jansen besitzt einen aufstrebenden Webereibetrieb. Zwei Töchter hat er großgezogen: Graziella und Susanne. Seit ihrer Kindheit ist Susanne, die Jüngere, ihrer Jugendliebe, dem Major Robert von Arrenberg versprochen. Sie hat sich jedoch in den jungen Arbeiter Anton verliebt, der in des Vaters Weberei Dienst tut. Anton ist ganz und gar nicht standesgemäß und als Anhänger von Friedrich Engels von dessen sozialrevolutionären Ideen beseelt. Elberfeld 1849. Aus Berlin kommt die Nachricht, dass der preußische König die Verabschiedung der Reichsverfassung, die die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche beschlossen hat, ablehnt und sich weigert, deutscher Kaiser zu werden. Wie in vielen bergischen Städten formiert sich Widerstand in Elberfeld. Friedrich Engels eilt aus Köln herbei, um die Aufständischen zu unterstützen. Wuppertal 2009. Feridun Zaimoglu und sein Co-Autor Günter Senkel treffen im Barmer Opernhaus Enver Yalçin Özdiker, einen jungen Komponisten aus Ankara, der in Essen lebt und komponiert. Sie sollen eine neue Kammeroper für eine ›türkische‹ Spielzeit in Wuppertal schreiben. Sie wissen, dass das Theater versucht, mit der Stadt, in der und für die es arbeitet, zu kommunizieren. Fasziniert von der Geschichte der Stadt, finden sie ihr Thema vor Ort: die politischen Unruhen infolge der Märzrevolution, die mit dem Elberfelder Aufstand und in dessen Niederschlagung durch preußische Truppen im Mai 1849 eine lokalgeschichtliche Katastrophe auslösten. Eine Elberfelder Familie findet in diesen Ereignissen ihr Schicksal.
Gefördert im Rahmen von Fonds Neues Musiktheater 2012
Gefördert vom Ministeium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen
Pressestimmen
„ (...) Die Bühnen ernten mit Feridun Zaimoglus Kammeroper mit historischem Lokalbezug begeisterten Applaus.“
„Christian von Treskow inszeniert stringent: Die starre Haltung der Bourgeoisie versinnbildlichen die an Einzeltischen Agierenden in traditionellen Kostümen. „(...) der Komponist [Özdiker] arbeitet bewusst mit schlichter, linearer Gestaltung in den Gesangsstimmen, die bis in die Nebenrollen hervorragend besetzt sind. Dramatik in der Handlung unterstreicht er mit Tönen, Tonfolgen, Rhythmen, Geräuschen und Instrumentenclustern, die die Mitglieder des Sinfonieorchesters und Gäste unter der Leitung von Tobias Deutschmann hinter durchscheinenden Jalousien perfekt ausführen (...). “ Westdeutsche Zeitung, Veronika Pantel, 06.03.2012
„ (...) Großes Melodram auf sanft dissonantem Klangteppich – unterhaltendes zeitgenössisches Musiktheater mit ausgezeichneten Sängern (...).“ WDR 5, Scala, Stefan Keim, 05.03.2012
„ (...) Der revolutionäre Aufstand in Wuppertal im Jahre 1849 in eine Familiengeschichte verpackt – das Publikum ist begeistert und feiert Ensemble und Autoren nach der Premiere. das Theater hat mit dieser Uraufführung ein unübersehbares Zeichen seiner Vitalität gesetzt (...) Das Libretto begibt sich distanzlos hinein in die Zeit von 1849. Mit altertümlichen Wendungen tritt die Sprache sozusagen in Kostüm und Maske auf wie die ganz biedermeierlich erscheinenden Figuren (...) Der Komponist Enver Yalcin Özdekir hat eine durchhörbare, sehr konzentrierte Partitur für Kammerorchester geschrieben. Zwölf Musiker des Sinfonieorchesters Wuppertal, geleitet von Tobias Deutschmann, sitzen hinter der Spielfläche auf der Bühne. Die Musik ist farbig, niemals knallig und laut, baut eine leise Spannung auf und erzeugt mit sehr reduzierten Mitteln eine dichte Atmosphäre. Mittels elektronischer Zuspielungen nähert sie sich immer wieder einer kargen Geräuschhaftigkeit an(...).“
Deutschlandradio, Ulrike Gondorf, 04.03.2012
"(...) Die Kammeroper AUFSTAND beschäftigt sich mit der Elberfelder Revolution vom 9. Mai 1849. Die Kämpfe dauerten einen Tag, forderten fünf Todesopfer und verursachten eine Woche lang chaotische Zustände in der Stadt. Der renomierte Autor Feridun Zaimoglu und sein Co-Autor Günther Senkel formen aus dem historischen Stoff bezwingend - und gar nicht altbacken- ein bürgerliches Trauerspiel, ein allmähliches, dann tragisches, schließlich melodramatisch explodierendes sich Durchdringen von Privatem und Politischem...Der 1981 geborene Enver Yalcin Özdiker hat, in seiner ersten Musiktheater-Arbeit, eine bewegte und farbenreiche Theatermusik geschrieben(...)." Die Deutsche Bühne, Andreas Falentin 7. März 2012
„ (...) Der junge Komponist Enver Yalcin Özdiker, wie Zaimoglu aus der Türkei stammend, komponierte die Musik zu diesem Drama der Unentschlossenen und vergeblich Kämpfenden. Das unterschwellig wahrnehmbare Vibrieren der Klanggeschichten, das zitternde Tremolo der Streicher, die farbig modulierenden Linien des Bläserspiels, die in fein geschärfter Helligkeit schimmernden Klanglagen, das dunkel bedrohliche Pathos des Schlagzeugs in Szenen von blutigem Mord beschreiben die unaufhaltsame Entwicklung des Geschehens, dem diese ängstlich-unentschlossenen Menschen nicht entkommen... Die Inszenierung macht spürbar, dass das Geschehen aus der Distanz des heutigen Blickes gezeigt wird, die Vergeblichkeit des Kampfes vorauswissend, ein wenig liebevoll-mitleidig mit den „Heldinnen und Helden“ (...). Sie sitzen im Biedermeier-Kostüm an Einzeltischen wie brave Schreiber in Kontoren, um für Begegnungen, Liebesszenen und Auseinandersetzungen aufzustehen, zu sprechen und zu singen. Dieser Wechsel zwischen ruhigem, passivem Abwarten und zum Teil auch hektischer Aktion macht die singspielartige Oper spannungsvoll. Schauspielintendant Christian von Treskow gibt dem Solistenensemble lebhafte Nähe und zugleich literarische Distanz... Özdiker schuf für die beiden Sopranistinnen Dorothea Brandt und Kristina Stanek sehr schöne, ausdrucksvolle Partien in schimmernder, grandioser Höhe. Starke, ruhige, tiefe und wohlklingende Präsenz haben Olaf Haye als Tuchfabrikant und Marek Reichert als preußischer Major Arrenberg. Rolf A. Schneider zeigt den Bürgermeister in besonnen scheinender Glätte. Kontrastscharf dazu ist die Stimme des Revolutionärs, Tenor Christian Sturm. Überzeugend ist die Anordnung des Kammerorchesters hinter Handlungsraum und Jalousien. Durch ihre Lamellen blicken die Bürger auf das hörbare Geschehen des Straßenmobs, vom Ensemble unter der Leitung von Tobias Deutschmann in farbenfroh schildernde Musik verwandelt. Diese Uraufführung einer „großen“ Kammeroper ist sehr reizvoll, weil Komponist und Librettist ein wenig den Blick von außen auf das deutsche Bürgertum im 19. Jahrhundert mit dem Wissen von heute und mit dem Blick auf uns heute beleuchtet (...).“ Bergische Blätter, Gisela Schmoeckel, 04/2012