Wuppertaler Bühnen - Oper //// Schauspiel

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»Man müsste den lieben Gott besser organisieren.« Der gescheiterte Schauspieler Strasser hat das Hotel »Zur schönen Aussicht« gekauft und seine Freunde, den korrupten Max und den vorbestraften Karl, als Kellner und Chauffeur angestellt. Die vor der Pleite stehende Unterkunft wird von nur einem einzigen Gast am Leben erhalten, der ebenso exzentrischen wie reichen Ada Freifrau von Stetten, die sich von den männlichen Angestellten ihre Zuwendungen sexuell entgelten lässt und ihre ganze Umgebung tyrannisiert. Ihr vollkommen verschuldeter Zwillingsbruder Emanuel und der Sektvertreter Müller komplettieren das zweifelhafte Interieur des heruntergekommenen Hotels. Da taucht plötzlich die junge Christine auf, deren »zweiwöchentlicher Sommeraufenthalt, voriges Jahr, hier, nicht ohne Folgen« geblieben ist und die nun Strasser, den Vater ihres Kindes, wiedersehen will. Um mögliche Alimentationsforderungen zu vereiteln, verbünden sich die Männer mit Strasser und behaupten, sie alle hätten mit ihr geschlafen. Doch als Christine erzählt, dass sie in den Besitz einer größeren Erbschaft gelangt sei, ändert sich die Lage schlagartig: diejenigen, die sie vorher verachtet haben, buhlen nun um ihre Gunst. Angeekelt verlässt Christine das Hotel und fährt wieder heim. Horváths 1926 geschriebene Komödie spielt im Oberbayrischen, als Vorlage diente ihm eine »windige Pension« in Murnau am Staffelsee. Es ist die Zeit der wirtschaftlichen Depression, moralische Standards werden über den Haufen geworfen, wenn sich die Chance auf einen persönlichen Gewinn bietet. Das Hotel wird zum Gefängnis, dessen Insassen sich selbst zerfleischen, ihr Umgang miteinander mutet tierisch an. Die Menschlichkeit einer Christine zeigt einen Ausweg auf, doch die bürgerlichen Spießer, die in der »Schönen Aussicht« ihr Zuhause gefunden haben, sind unfähig, dieses zu erkennen.


Presse


„ (...) Die Bühne zeigt eine triste Wirtsstube mit Resopalcharme und altmodischer Möblierung. Grandios der Ausblick durch große Fenster auf ein Alpenpanorama. Thomas Braus (Max) und Heisam Abbas (Karl) geben penetrant-unangenehm das opportunistische Domestikenduo. Holger Kraft überzeugt als intriganter, verantwortungsloser Strasser, der übergangslos die Positionen wechselt, je nach scheinbar eigenem Vorteil. Sophie Basse glaubt man die Frau, die sich Männer kauft, um sich damit den Anschein von Leben vorzugaukeln, die Illusion, noch zu „zählen“. (...) Der Abend in Wuppertal zeichnet sich (...) durch eindrucksvolle Bilder aus. So korreliert die miefige Pensionsszenerie wunderbar mit der (moralischen) Verwahrlosung ihrer Bewohner. Die Schönheit der Natur, verdeutlicht durch Einspielung von Videos, ist ein guter Kontrast (...)."
theaterpur, Juni 2012

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