Wuppertaler Bühnen - Oper //// Schauspiel

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»Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?« fragte damals angesichts der Weltwirtschaftskrise der junge Brecht. Nach der letzten großen Krise der Finanzwirtschaft ließe sich hinzufügen: »Was ist die Unfähigkeit, einen Kredit abzuzahlen, angesichts der massenhaften Verkäufe von faulen Krediten?« Millisekunden, die über Millionen entscheiden; virtuelle Finanzströme, die gleich Funkwellen den Äther umrauschen; Handel mit Optionsscheinen auf zukünftige Optionen, die sich als Wahngebäude oder großer Fake offenbaren – und an den global vernetzten Computern vom Heim-PC bis zum Börsengroßrechner sitzen die Zocker aller Couleur und Zahlungskraft: Kleinanleger und Großaktionäre, Finanzberater und Bankenmanager. Wenn die Blase platzt, sind die Auswirkungen auf die reale Lebenswelt zahlloser Menschen eklatant, das Fundament unserer Gesellschaft erschüttert. Doch kaum ist die Schockwelle abgeebbt, kaum sind die letzten Forderungen nach grundlegenden Veränderungen resonanzlos verklungen, stellt sich die kollektive Amnesie ein. Business as usual, wieder fließen die Millionenboni – bis zur nächsten Krise. Elfriede Jelinek hat mit Die Kontrakte des Kaufmanns der Kritik des Bereicherungswahns nicht ohne Humor Ausdruck verliehen und sich auch gegenüber dieser Zeitkrankheit als wachrufende Chronistin und Pamphletistin erwiesen. Aus ihrer Hand wird die Sprache zu Schwert und Schild gegenüber einer Wirklichkeit, in der die Sprache selbst stets als erstes verramscht wird. Ausgehend von konkreten Wirtschaftsskandalen schrieb sie diese furiose Sprachpartitur für ein polyphones Orchester, aus dem Zocker und Geprellte, Global Players und ruinierte Kleinanleger gleichermaßen ihre Stimme erheben. Aufklärung ist für sie Religionskritik. Die Religion, auf die sie abzielt, oder vielmehr der Götzendienst um das goldene Kalb: Das Kapital.


Pressestimmen


 „ (...) Typisch für Jelinek gibt es auch in Wuppertal einen kraftvollen Strom von Reflexionen, Einsichten und Kalauern – diesmal: zur Krise. Bis zu zehn Schauspieler (fast das ganze Ensemble) stellen zu Beginn des Stücks naiv-traurige Kleinanleger dar. Danach und hauptsächlich aber geben sie symbolische Banker-Figuren, die den Zusammenbruch verursacht und überstanden haben und lassen sie zu Wort kommen: respekteinflößend über weite Strecken in gekonnt chorischem Sprechen, im Business-Dress und, vor allem: im Vollgefühl ihrer Sicherheit.“
„So ist DIE KONTRAKTE DES KAUFMANNS ein Stück von hoher Aktualität, prägnant und unterhaltsam, und in Wuppertal mit direkt wirksamen Mitteln schön umgesetzt. (…) Manche Wahrheiten kann man gar nicht oft genug wiederholen (...).“
Musenblätter; Martin Hagemeyer, 04.10.2011


„ (...) Christian von Treskow setzt auf die Finanzkrise und kann damit einen Erfolg verbuchen.“
 „Obwohl der Einzelne (im Theater wie in der Großbank) schnell mal untergehen kann, entlockt das Ensemble dem Chor-Dasein verblüffend viele Seiten: Allein durch die Betonung einzelner Worte unterstreichen die zehn Schauspieler facettenreich den Witz der Textvorlage. Überhaupt: Es soll gelacht werden – das hat der Regisseur bereits im Prolog gezeigt, in dem drei Clowns wohlgenährt auf dem Boden des Bank-Foyers sitzen (Bühne: Jürgen Lier).“
„Im Kampf um Kleinanleger legen gewiefte Banker Wert auf große Gesten – natürlich im Anzug. Sie zucken, malträtieren Hüpfbälle, ergehen sich in ausladenden Armbewegungen. (…) Das Premierenpublikum gluckst, jauchzt, amüsiert sich. So viel Szenenapplaus gab es im Opernhaus lange nicht mehr. Das mag daher rühren, dass die Regie den Sprachwitz der Vorlage gut herausschält, aber vor allem auch an der Spielfreude der Darsteller liegen, die ihre Gäste teilweise direkt ansprechen.“
„Die Wirtschaftskomödie ist in ideales Stück für eine Schauspieler-Riege, die nicht zum ersten Mal beweist, dass Ensemble-Theater in Wuppertal groß geschrieben wird.“
„Die Inszenierung ist aktuell, bissig und durchaus provozierend. (…) Für Regie, Kostüm, Bühne und Schauspieler gab es viel Applaus und sogar einzelne Bravo-Rufe (...).“
WZ, Martina Thöne, 03.10.2011


„ (...) Ein ernster und heiterer Abend im Wuppertaler Opernhaus mit einer glänzenden Ensemble Leistung (...).“ „ (...) Über dem Chor hängt schlaff das Gestänge eines Schirms, der niemanden schützen und schon gar nicht retten kann. Es ist ein skurriles Bild, ein Symbol unserer Gegenwart, traurig und erheiternd zugleich. Regisseur Christian von Treskow lässt die Zuschauer trotz des Ernstes der Lage nicht in Depression versinken. Die Aufführung zeigt viel Humor. Die Kontrolleure des Finanzmarktes haben zum Bespiel ein paar sehr feine Theorien vom Verschwinden des Geldes zu servieren. “Ihr Geld macht bei uns Ferien, Es treibt Sport und nimmt ab. Immer weiter ab. Was soll das Geld denn bei Ihnen zu Hause? Vielleicht Fernsehen?" Solche Sätze sind vergiftet. Und die Schauspieler baden im Zynismus, wenn sie sie dem Publikum auf den Kopf zu sagen... Das Premierenpublikum feierte das Ensemble und Regieteam (...).“ Bergische Morgenpost, Christian Peiseler, 8.10.2011


" (...) Treskows Inszenierung arbeitet mit großen Bildern – chorartig, oratoriumsähnlich kommt das Stück daher. Und das Ensemble, das sich komplett große Lorbeeren verdient, bewältigt die Jelinekschen Wort- und Wortspielkaskaden so meisterlich, das jeder Moment der Unaufmerksamkeit beim Zuschauer ein Grund wäre, sich zu schämen, das man einen Augenblick lang nicht hingehört hat. Zehn Schauspieler sind da zu sehen – in unterschiedlichsten Rollen. Und stets sind sie voll da, erhalten immer wieder Szenenapplaus (...)."
"(...) Mit DIE KONTRAKTE DES KAUFMANNS hat sich Wuppertal an ein sehr großes und sehr, sehr aktuelles Thema heran gewagt. Und diese Feuerprobe bestanden. Wer da immer noch von „Provinztheater“ schwätzt, möge sich bei den weiteren Aufführungsterminen … eines Besseren belehren lassen. Oder gefälligst für immer Schweigen (...)."
Wuppertaler Rundschau, Stefan Seitz, 19.10.2011


"(...) Christian von Treskow inszenierte Elfriede Jelineks Wirtschaftskomödie DIE KONTRAKTE DES KAUFMANNS erschlagend gut (...)"
"(...) Zweieinhalb Stunden grauslich-komisch, zum Weglaufen eigentlich und doch Dableiben, zum Heulen wahr und zum Umfallen komisch, quälend lang (zweieinhalb Stunden ohne Pause) und kurzweilig satirisch — man muss es erleben (...) !"
Bergische Blätter, Gisela Schmöckel, Nov. 2011

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