Lyrische Tragödie in zwei Akten von Federico García Lorca
deutsch von Enrique Beck, Musik von Wolfgang Fortner
Ein junger Mann möchte heiraten. Seine Mutter hat aber schlimme Vorahnungen. Sie erfährt, dass die Braut schon einmal verlobt war mit Leonardo, einem Mitglied der »Mörderfamilie«, die ihren Mann und ihren ältesten Sohn getötet haben. Ihre Visionen werden Realität, die Logik der Blutrache lässt keinen Ausweg. Während der Hochzeitsfeier verschwindet die Braut. Sie flieht mit Leonardo, denn er hat sie, sie hat ihn nie vergessen können. Der Bräutigam setzt ihnen nach, und als er sie stellen kann, kommt es zur Tragödie.
Wolfgang Fortner hat 1951 das Theaterstück von Federico García Lorca vertont, der 25 Jahre zuvor während des spanischen Bürgerkrieges von der faschistischen Falange ermordet wurde. Fortners Oper setzt den von Alban Berg mit Wozzeck und Lulu begonnenen Weg der Literaturoper mit neuen Mitteln fort und lieferte der aufmerksamen und produktiven Szene der neuen Oper der Nachkriegszeit ein wichtiges und viel gespieltes Werk. Wenn Fortner einige Figuren sprechen lässt, die andern aber singen, folgt er damit Lorcas Dramaturgie konsequent. Denn es kontrastieren knappe, wortkarge Dialoge, die keinen andalusischen Folklorismus aufkommen lassen, mit poetischen Symbolismen: der Mond lässt sein Licht auf dem Messer aufblinken, das dem Bräutigam zur Rache dient.
Gefördert im Rahmen von Fonds Neues Musiktheater 2013
Gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen
Pressestimmen
„(…) Bis zu dieser Wuppertaler Wiederentdeckung, die als Großtat moderner Theater-Archäologie gar nicht hoch genug zu würdigen ist. Die Verdienste dieses hoch emotionalen mitreißenden Theaterabends teilen sich Regie, Musik und Darsteller gleichermaßen. […] Gebannt folgt man Fortners Qualität, den Dampf auf dem Kessel seines Orchestersatzes zu halten und im Fortgang, die Emotionen gebrochen und stoßweise abzugeben: über das bloße Sprechen, über einen speziellen Sprechgesang, über das Singen. […] Wobei aus dem zehnköpfigen Sängerteam nun unbedingt Dalia Schaechter als markante Verkörperung der Mutter herauszuheben ist. Vor allem an ihr wie an der von Banu Böke empathisch gespielten und gesungenen Braut, zeigt sich nicht nur die Handlung, sondern auch deren Reflexion. Unmittelbar hängt das Faszinierende dieses Stücks zusammen mit der Wandlung, die diese Frauenfiguren durchmachen. […] Ein großer Theaterabend. Ein bedeutendes Stück (...).“ nmz online, Georg Beck, 14.01.2013
„(…) Fortner schafft mit der Bluthochzeit wirklich berührendes Theater, setzt Garcia Lorcas Drama ungeheuer feinfühlig in Musik um, unterstreicht dabei den so schönen dunklen, poetischen Text. Und Fortner gelingt in den 1950er Jahren etwas, was für uns heute oft ein wichtiges Element beim Theater ist: Er verbindet verschiedene Sparten miteinander. […] Das ergibt fraglos großes Theater -und genau so ist es in Wuppertal zu erleben. Mit einer punktgenauen, den Weg zur unausweichlich herannahenden Katastrophe klar zeichnenden Regie und einem riesigen Solistenaufgebot. Jedem von ihnen merkt man an, mit wie viel Konzentration und Freude sich der jeweiligen Aufgabe gewidmet wird. Allem voran natürlich die Mutter der großartigen Dalia Schaechter. […] Neben ihr auch stark umjubelt Ingeborg Wolff als Tod in Gestalt einer zierlichen obdachlosen Frau. Ganz leise und denoch mächtig: ihre Einflüsterung von einem besseren Jenseits. Auch Banu Böke als Braut schuf echte Gefühle – ebenso wie der sehr ausdrucksstarke Thomas Laske als verliebter Macho Leonardo… mit seinem hellen Tenor taucht Martin Koch als Mond die Bühne in gleißendes Licht. […] Und dann das Orchester, dem Hilary Griffiths ein ganzes Feuerwerk an Farben entlockt. (…) Die Wuppertaler Sinfoniker bringen die enorme Vielfalt, die Fortner in seiner Partitur anlegt, auf das Prächtigste zum Klingen. […] Hier ist eine fantastische Wiederentdeckung gelungen (...) .“
Theater Pur, Christoph Schulte im Walde , 15.01.2013
„(…) Wolfgang Fortner hat daraus so etwas wie eine Oper gemacht, und Regisseur Christian von Götz hat es zum ersten Mal nach 28 Jahren inszeniert. […] Unglaublich die Leistung von Dalia Schaechter, die die Mutter verkörpert. In Stimme und Spiel von einer nicht zu überbietenden Natürlichkeit, wirkt sie gerade deshalb hochdramatisch. […] Als Magd irritiert Joslyn Rechter, die ihre Rolle so intensiv und präsent spielt und singt, dass der Zuschauer einen Moment oder auch einen Blick in das Programmheft braucht, um zu verstehen, dass hier „nur“ die Magd im Hause der Braut agiert. Frisch und mit sportlicher Note überzeugt Annika Boos […] Ohne Makel singt und spielt Banu Böke die Braut. Im Gesamtergebnis bekommt der Zuschauer trotz erheblicher Schwierigkeitsgrade eine Aufführung auf höchstem Niveau zu sehen. Da steht der Chor in der Einstudierung von Jens Bingert nicht zurück. Mit hoher Spielfreude bleiben die kurzen Einsätze präzise und stimmlich überzeugend. Wer Vorbehalte gegenüber zeitgenössischer Musik hat, wird Hilary Griffiths mit dem Sinfonieorchester Wuppertal eines Besseren belehren lassen. […] Schade, dass es so schnell vorbei ist (...).“ Opernnetz, Michael S. Zerban, 15.01.2013
„ (...) Regisseur Christian von Götz setzt Fortners Literaturoper im Opernhaus in Szene. […] Mit vielfältigen Instrumentfarben, einer suggestiven Rhythmik und lyrischen Weisen entfaltet das Wuppertaler Sinfonieorchester unter Hilary Griffiths‘ mitreißenden Dirigat die musikdramatische Sogwirkung. […] Dalia Schaechter ist die Idealbesetzung für die Rolle der Mutter. Mit kraftvollen Sopran und berührend-intensivem Spiel nimmt sie die Zuschauer gefangen, wenn sie über dem totbringenden Messer wie versteinert im Schmerz klagt. […] Der fließende Übergang von Gesang, Sprache oder melodramatischer Rezitation machen die durch orchestrale Zwischenspiele verbundenen sieben Bilder ungemein lebendig (...).“ WZ, Veronika Pantel, 15.01.2013
„ (...) Die Wuppertaler Oper erinnerte jetzt an die Qualitäten des sowohl literarisch als auch musikalisch starken Stücks. Fortner verknüpft eine moderat moderne, zwölftönige Textur mit fein dosiertem, spanischen Kolorit und einer expressiven Ausdruckskraft, (…). […] Davon betroffen ist auch die fulminante Inszenierung von Christian von Götz. Hoch konzentriert, detailreich und treffsicher führt er das engagierte, prominent besetzte Ensemble, vermittelt den Kontrast zwischen der lastenden Tristesse des Milieus und dem Freiheitsdrang der jungen Leute grandios. […]Die Wuppertaler Oper besticht immer wieder durch geschlossene Ensembleleistungen. So auch hier mit vorzüglich besetzten Rollen bis zum letzten Holzfäller. […] Hilary Griffiths dirigiert behutsam und gespannt, sodass den Wuppertaler Bühnen eine der besten Produktion der Region und Saison gelungen ist. Begeisterter Beifall (...)." Osnabrücker Zeitung, Pedro Obiera, 15.01.2013
„(...) Einen großen Publikumserfolg feierten die Wuppertaler Bühnen mit der Neuinszenierung von Wolfgang Fortners erfolgreichster Oper „Bluthochzeit“. […] Christian von Götz schuf eine dichte, beklemmende Inszenierung, die durch ihre vielen symbolhaften Andeutungen eine spannungsgeladene, fast explosive Stimmung auf der Bühne verbreitet. […]Die Hauptperson des Werks -, (…), ist eindeutig die Mutter. […] Und diese Rolle füllte die Mezzosopranistin Dalia Schaechter eindrucksvoll aus! Mit jeder Geste und Mimik und dazu mit einem kräftigen, farbreichen, oft sehr dunkel getönten Mezzosopran, der das Publikum während der gesamten Aufführung in seinen Bann zog. […]Das Sinfonieorchester Wuppertal, vom britischen Dirigenten Hilary Griffiths geleitet, spielte im ersten Stock der Bühne hinter den Darstellern, (…). […] Es gab die expressive, oft rauschhafte Partitur des Komponisten, die auch mit Zwölftonmusik und spanischen Rhythmen durchsetzt ist, hervorragend wieder (...)“.
NeuenMerker, Udo Pacolt, Wien – München, 15.01.2013
„(…) die Inszenierung, die jetzt in Wuppertal unter der musikalischen Leitung von Hilary Griffiths und in Regie und Bühnenbild von Christian von Götz zu erleben ist, unbedingt eine Reise wert. Aber auch musikalisch war die Premiere ein Ereignis! Das Wuppertaler Sinfonieorchester spielt ganz famos. […] Und Griffiths dirigiert mit einem so wachen Sinn für Plastik und Gestik, mit so bunter Farbigkeit und drastisch-dramatischen Ausdruck als wollte er beweisen: Diese Musiksprache ist von heute, sie geht uns etwas an. Immer noch? Nein: Jetzt wieder! Tatsächlich hat Fortners Musik keine Spur Moos angesetzt. Im Gegenteil, gerade das Nichttonale, zwölftönige Schwebende streift jede Fremdartigkeit ab. Dicht verwebt mit dem an sich ganz aus der Mode gekommenen Melodram wirkt sie vertraut suggestiv, präsent. […] Den Sängern wird abverlangt, dass sie auch sprechen können. Sie alle meistern diese doppelte Aufgabe hervorragend (...).“ FAZ, 16.01.13, Eleonore Büning
„ (...) Wuppertal erinnert an die Fortner-Oper „Bluthochzeit“. […] Mit Erfolg. […] Dirigent Hilary Griffiths stellt die sinnlichen Aspekte des manchmal spröden Stückes in den Mittelpunkt. […] (…), die aus Köln ausgeliehene Dalia Schaechter überzeugt als gramzerfurchte, paranoide Mutter mit dramatischer Gesangs- und rauer Sprechstimme, aber auch durch den körperlichen Ausdruck festsitzender Ängste. […] Zweites Zentrum neben Schaechter ist eine Pennerin. Mit hohlen Wangen, Trainingshose und Plastiktüten ist die wunderbare Schauspielerin Ingeborg Wolff Nachbarin, Bettlerin und Tod: eine menschliche Sensenfrau, die einige der schönsten Texte als Melodram zur Orchesterbegleitung spricht, unbeteiligt schaut, aber alles wahrnimmt. […] Das Stück wirkt nicht nur wie eine Fortführung der Literaturopern Alban Bergs, sondern absolut zeitgemäß. […] Die gelungene Wuppertaler Aufführung ist nicht nur ein Plädoyer, die „Bluthochzeit“ nicht gleich wieder zu vergessen, sondern nachzuschauen, welche Opern Fortner außerdem komponiert hat (...).“ Die Welt, 17.01.13, Stefan Keim
„ (...) In Wuppertal verbindet der Regisseur Christian von Götz die Szenen durch Auftritte eines Dämons, (Veronika Hierholzer in einer Tanzrolle); der die Mutter des Bräutigams mit wachsender Dringlichkeit bedroht, und illustriert so etwas pathetisch die Unausweichlichkeit, mit der die Figuren ihrem Schicksal unterliegen. Die Mutter (…) wird in Wuppertal von Dalia Schaechter im wahrsten Sinne »verkörpert«. Sie hat ihren ausdrucksstarken Mezzo in der Bluthochzeit mehr auf bohrende Charakterzeichnung (…) eingestellt und durchleidet körperlich, was das übrige Personal nur »spielt«...Mit einigen Klischees, meist aber mit Ernst und Theaterblut hat Christian von Götz versucht, diese verknöcherte Gesellschaft ins Spanien von heute zu versetzen. Ein Prospekt suggeriert die Hochhäuser einer trostlosen Vorstadt; statt der bäuerlichen Gesellschaft bevölkern Punks, Drogensüchtige und Kleinbürger die Bühne und machen schlagartig deutlich, dass sich in den letzten hundert Jahren nicht gar so viel verändert hat. (…) Da das Sinfonieorchester nicht im Graben, sondern auf der Hinterbühne platziert ist, können Sänger und Schauspieler an der Rampe direkt ins Publikum spielen und gesprochene Sprache und Gesang perfekt ins Gleichgewicht bringen, ohne die expressionistische orchestrale Wucht der Zwischenspiele zu schmälern. (…) Hilary Griffiths und sein Orchester meistern die (auch spieltechnisch) komplexen Herausforderungen wahrlich mit Bravour. Für ein mittelgroßes Haus, dessen Existenz keinesfalls auf Rosen gebettet ist, ist diese Produktion ein glanzvolles Beweis seiner Existenzberechtigung (...).“ Opernwelt, 03.13, Michael Struck-Schloen