Weihnachten steht vor der Tür, und offensichtlich muss man bei den Helmers nicht um das heimische Idyll bangen: der akkurate Bankangestellte Torvald sieht einer Beförderung zum Direktor entgegen. Seine Frau Nora und ihre drei Kinder geben eine mustergültige Familie ab, die der Reputation des Mannes nur förderlich sein kann. Würde nicht Noras Vergangenheit in Gestalt des Erpressers Krogstad die Bühne betreten. Dieser weiß um eine Urkundenfälschung Noras, mit der sie sich das Geld erschwindelt hatte, um ihrem Mann eine teure medizinische Behandlung zu finanzieren. Die rettete ihm zwar das Leben, erfahren durfte er davon aber nichts – er hätte Noras Manipulation niemals geduldet. Krogstad will sich über Nora bei Torvald eine angesehen Position in der Bank sichern. Unter diesem Druck offenbart sich die Brüchigkeit der Helmer-Ehe. Noras Welt entpuppt sich: als Puppenstube, sie selbst als ein wertvolles Spielzeug ihres Mannes. Torvalds falscher Ehrbegriff, seine Vorstellung von einer Frau als Besitz und seine kleinbürgerlichen Abstiegsängste treiben Nora zu einer außergewöhnlichen
Entscheidung.
Nora, die bekannteste Figur aus Ibsens Dramen, bringt wie kaum eine andere Frauengestalt des 19. Jahrhunderts
den mühsamen Weg der Emanzipation zur Anschauung. Mit ihr hat Ibsen die Meisterschaft seiner psychologischen Gestaltungskunst und die unbedingte gesellschaftliche Relevanz seiner Stücke dauerhaft unter Beweis gestellt.
Pressestimmen
„ (...) Manchmal wird die Funktionalität eines Behelfs zur Chance. Selten hat man das Kleine Theater in Wuppertal so groß gesehen und wurde es so weitläufig bespielt wie in Regisseur Tilo Nests Inszenierung von Henrik Ibsens „Nora oder Ein Puppenheim“. Dabei hat er das Stück in zwei Hälften gespalten, Intro und Substanz, für die Zuschauer Schemel und gepolsterter Sitz. Eine äquivalente Ungleichheit der Personen vor und auf der Bühne, die als homogene Masse interagieren, selbst in der Choreografie des sich Bewegens aller, die nach und nach zu Spielbällen werden. (…) Die Konstellationen der Figuren entspringen der Realität, die kausale Aussage wird später in einem Nichtraum verhandelt, in dem die konstruktiven Perspektiven des Interieurs wie die gesellschaftlichen Ordnungen verschoben bleiben. (…) Nest inszeniert das Seelenleben einer sich überholenden Gesellschaft, deren Eckpfeiler auch das Heute noch nicht so richtig überwunden hat (...).“ Engels Magazin, März 2013, Peter Ortmann
" (...) Ein spannender Abend mit einem guten Ensemble und einer nach wie vor brisanten Thematik (...). “Theaterpur, Februar 2013, Antje van Bürk
„ (...) Das Stück aus der Feder des norwegischen Dramatikers Henrik Ibsen hat über 100 Jahre auf dem Buckel und zeugt doch von beeindruckender Aktualität. Es ist eine leidenschaftlich kühle Kritik der Rollenverteilung, männlicher Oberflächlichkeit und des hedonistischen Egozentrismus heutiger Tage. „Nora“ wurde in dieser Inszenierung von Tilo Nest und nach der Dramaturgie von Sven Kleine sehr gut umgesetzt. Dass der Beginn des Stücks in den Gängen des Schauspielhauses spielt, ist sehr originell und passend, die Inszenierung damit sehr abwechslungsreich. „Nora oder ein Puppenheim“ besticht durch einen raffinierten Spannungsbogen in fast Hitchcock’scher Suspensionsmanier und tollen Wendungen. Die Schauspieler agieren auf hohem Niveau; vor allem Juliane Pempelfort bringt das Manische und Hysterische, das in ihrer Figur angelegt ist, ungemein gekonnt rüber (...)." Bergische Blätter, 09.03.13, Moritz Holler