Wuppertaler Bühnen - Oper //// Schauspiel

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Wie hochtourig das Liebes-, Intrigen,- und Hochstapel-Karussell kreisen kann, zeigt der italienische Meister der Komödie, Carlo Goldoni, mit seiner Trilogie der Sommerfrische. Das Besitzbürgertum will es denen ganz oben in allem gleichtun; und dazu gehört natürlich auch die alljährliche Fahrt in die Sommerfrische. Entscheidend dabei ist selbstverständlich nicht die Erholung, sondern das angemessene Outfit, die Ausstattung des Feriendomizils und die Frage, wer bei wem wohnt.
So versammeln sich auf dem Lande mittellose Mitgiftjäger, habgierige Hasardeure und leidenschaftliche Liebende, um ihr Glück zu suchen; nicht unbedingt nur in der Liebe, sondern vor allem auch im Geschäft. Denn das großspurige Auftreten verschlingt enorm viel Geld; und die Schulden lassen sich nur über die passende Heirat begleichen. Zwei Männer sind es – der nur scheinbar reiche Leonardo und der mittellose Guglielmo – die um die Hand der bezaubernden Bürgerstochter Giacinta anhalten. Die liebt zwar den einen, verlobt sich aber mit dem anderen und beschwört damit ein übles Gefühlschaos herauf. Denn auch Leonardos Schwester Vittoria hat an Guglielmo Interesse gefunden – und das ist nur ein Problem von vielen, die entstehen, wenn man ein großes Herz mit einer großen Geldbörse verwechselt.
Bleibt zu hoffen, dass am Ende der großen Ferien nicht nur der Gefühlshaushalt wieder ausgeglichen ist. Denn dann wird abgerechnet.


Pressestimmen


„(…) Keine Minute Langeweile. [...] Hohes Tempo, karikaturistische treffend überzeichnete Charaktere, viel zu niedrige Türen für viel zu hoch aufgetürmte gepuderte Perücken, opulente [...] Garderoben [...] sowie die flotte Sprache [...] sorgen für das pointenreiche Feuerwerk, welches auch ein verwöhntes Publikum dreieinhalb Stunde bei Laune und der Lachfrequenz wegen unter Atemnot hält. Hanna Werth in der Schlüsselrolle der Giacinta ist eine hinreißende, glanzvolle Neuentdeckung (…).“ Musenblätter, Frank Becker, 26.10.2012



„ (…) Wie Knallchargen rasen die Schauspieler durch den Text, Vittoria und Giacinta liefern sich einen keifenden Zickenkrieg und verhaken sich im barocken Damen-Wrestling, bis sie sich später – Supergau! – im gleichen Kleid gegenüberstehen [...] Christian von Treskow inszeniert in dreieinhalb Stunden ein lustiges opulentes Schauspielerfest, als gäbe es kein Morgen [...] Von Treskow zieht in großer Besetzung und souverän alle Register des Schauspieltheaters. Zwar treibt er der Komödie von Goldoni jegliche Düsterkeit aus, auch zeigt er keine intellektuell scharfe Analyse einer Gesellschaft, in der nur noch das Monetäre zählt. Dafür zeigt er aber, wofür man Schauspieler lieben muss. Fröhlich prassend geht in Wuppertal die Theaterwelt zugrunde (…).“ nachtkritik.de, Dorothea Marcus, 12.10.2012

 „ (…) Christian von Treskow inszenierte die ‚Trilogie der Sommerfrische‘ an den Wuppertaler Bühnen opulent, spritzig und äußerst temporeich, wobei viele Elemente der Commedia dell’arte aufgenommen wurden. Rokoko- Kostüme, hohe Perücken und die dick geschminkten Gesichter erinnern an die Entstehungszeit des Werks. [...] Im 1. Teil sehen wir im Bühnenbildhintergrund eine Art Amphitheater mit Rundbögen und großer Treppe, die zu akrobatisch anmutenden Kletterpartien Anlass gibt [...] Der wohlhabende Filippo (Jochen Langer) behält immer die Ruhe, während die anderen Akteure hektisch und aufgedreht über die Bühne wieseln, was nur mit einer ausgeklügelten Choreografie möglich sein kann, um Zusammenstöße zu vermeiden. Markus Hasse überzeugt als der aufdringliche Parasit Ferdinando, der jeden Klatsch aufgreift und mit der reichen Witwe mit Rollator (Julia Wolf) poussiert. Der sauertöpfische Fulgenzio (Thomas Braus), mit spitzem Kinn und spitzer Nase, gibt ihn fast wie Graf Dracula in er Polanski-Verfilmung) ist der einzige, der rechnen kann und der dem unglückseligen Leonardo helfen will. [...] Im 2. Teil sehen wir das Amphitheater von hinten (…).“ Theaterpur 15.10.2012

"(...) Die Inszenierung treibt das Ensemble in lustvolle Exesse und irrwitzigste Verrenkungen. Nur folgt auf die Fete im zweiten teil die totale ernüchterung. In "Die Rückkehr der Sommerfrische" haben alle ihre Perücken verloren. Mit dem letzten Geld ist ihnen auch ihre Identität verloren gegangen. Damit schlägt die große Stunde von Fulgenzio [...] Er bringt zusammen, was nicht zusammengehört und letztlich gar nicht zusammen sein will (...)." kulturkenner.de, November 2012



„ (...) Da steht ein kleines, leicht heruntergewirtschaftetes Amphitheater auf der Bühne, mit zu niedrigen Ausgängen an den Seien. Da perlen leichte Musiknoten aus einem Spinett, und da herrscht eine derartige Aufregung, dass einem fast die Perücke verrutscht. Denn diese Blaublüter wollen es sich draußen auf dem Land an nichts fehlen lassen. Man ist zwar vollkommen verschuldet, doch es lebe die schöne Zeit. Und so wird schon einmal dezent die Dienerschaft angepumpt oder der Gläubiger durch einen Geheimgang galant düpiert. In diese wundervolle Dekadenz eingebettet entfalten sich mehrere packende Handlungsstränge: Leonardo will Giacinta. ebenso wie Guglielmo, den Vittoria möchte, die wiederum erst einmal niemand möchte. Dazu gesellen sich noch acht weitere Charaktere und diverse feurige wie betörende Zutaten eines üppigen Italiener-Besuches, denn das fast vollständig versammelte Ensemble fährt hier richtig auf. In drei Akten, verteilt über dreieinhalb Stunden, darin enthalten zwei Pausen, geht es um Konkurrenz und Kavaliere, Raufereien und Rumgeknutsche, Galas und Kredite, Klatsch und Intrigen. Sehr unterhaltsam und angenehm beschwipst, wie ein sanfter Rausch purer Leichtigkeit geht es auf der Bühne zu Gange. Alle tänzeln und flitzen beständig herum, spontanen Gefühlen und unvorhergesehenen Wirrungen hinterhereilend. Denn zugegebenermaßen hysterisch sind sie allesamt ein wenig in ihren verbal wie real gestandenen Pirouetten. Und selten zeigt man, wie man wirklich denkt – ein Quast Schminke liegt auf allem Gesagten. Doch fragil ist die Stimmung, und gebrochene Herzen sind zu allem bereit (...).“
Moritz Holler, Bergische Blätter Nov. 2012


„(…) Im kalten grauen Amphitheater zeigt ein grotesk ausstaffiertes Ensemble mit Turmfrisuren, faustdicker Schminke und extravaganter Kleidung, was es drauf hat […] Eine fulminante Inszenierung, die Spaß macht (…).“  Peter Ortmann, Engels, 12.2012



„(…) Von Geld, Gier und Geltungssucht regiert, müssen die Menschen zu Marionetten werden. Mit ihren Punk-Rokoko-Kostümen, turmhohen Frisuren und weiß geschminkten Gesichtern gleichen sie den Puppen-Figuren, wie sie bei Herbert Fritsch an den Fäden ihrer Triebe zappeln. Auch von Treskow treibt sein Ensemble in lustvolle Exzesse und irrwitzige Verrenkungen (…).“ K.west 11.2012

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