Wuppertaler Bühnen - Oper //// Schauspiel

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Güllen ist pleite, Güllen droht die Pfändung! Rettung naht in der Person von Claire Zachanassian, geb. Klara Wäscher, in jungen Jahren von Alfred Ill geschwängert, den anschließenden Prozess aufgrund falscher Zeugenaussagen verloren, entehrt und bettelarm aus der Stadt vertrieben, Kind verloren, Prostituierte geworden, reichen Ölbaron geheiratet, jetzt Milliardärin. Nun gilt’s: mit der Hoffnung, in der ehemaligen Güllenerin eine spendable Wohltäterin begrüßen zu können, wird Claire Zachanassian ein großer Bahnhof bereitet. Und in der Tat ist sie bereit, der Stadt 1 Milliarde zu spenden, allerdings unter einer Bedingung – Alfred Ill muss sterben! Selbstverständlich große Empörung bei allen Güllenern mit sofortiger konsequenter Ablehnung des unmoralischen Angebots durch den Bürgermeister. Doch seltsam, nach und nach ist überall in der Stadt eine erhöhte Konsumfreudigkeit zu verzeichnen, und selbst die Kirche leistet sich neue Glocken …
Der Besuch der alten Dame ist inzwischen ein moderner Klassiker und ist doch aktuell wie eh und je, treibt Dürrenmatt doch unwiderstehlich den Konflikt zwischen Geld und Moral, Schuld und Vergebung, Heuchelei und Aufrichtigkeit, auf die Spitze. Also – was darf der Mensch kosten?


Pressestimmen


" (...) Der Gerichtsvollzieher hat einen kugelrunden Bauch und verkümmerten Rücken wie die Figuren von George Grosz. Der Pfarrer öffnet seinen Mund zum Schrei von Edward Munch, die Güllener Bürger winden und verzerren sich wie die Figuren Max Beckmanns. Friedrich Dürrenmatt hat sich intensiv mit den Formen des Expressionismus auseinandergesetzt und die Regisseurin Sybille Fabian übersetzt die Figuren der so oft gespielten Groteske, einer tragischen Komödie, in die Sprache des Expressionismus…Die Güllener sind pleite, „ausgezogen“ bis zum letzten Hemd. Sie halten die erbarmungslos „heruntergelassenen Hosen“ an langen Hosenträgern; bei manchen schlottern sie schon um die Knöchel. Die Stadt ist so unsagbar verschuldet – und dies nicht nur im finanziellen Sinne – dass ihr kein Spielraum mehr bleibt….Im Bühnenbild […] und im kalten Neonlicht hampeln sie wie aufgezogene Puppen, kaum noch menschlich, marionettenhaft, grotesk verzerrt. Sie bilden ein grausames Panoptikum der menschlichen Verderbnis, der verkrümmten Seele, des verdrängten Gewissens. Die Gleichnishaftigkeit des Konflikts zwischen Schuld, Gerechtigkeit, Rache und Menschlichkeit wird offenbar… Fabian verlangt dem Spitzenensemble[…] höchste Artistik und Darstellerkunst ab. Die Aufführung zeigt die grandiose Entwicklung des Ensembles unter Intendant Christian von Treskow, der sich nie gescheut hat, Unbequemes zu zeigen und die Zuschauer zur auch schmerzhaften Einsicht, zur wahren Katharsis der griechischen Tragödie zu führen. Sybille Fabians Choreographietheater lässt diese in ganz neuer Weise entstehen. Die expressive Reduktion ist das starke Mittel der Inszenierung (...)."  Gisela Schmöckel, Bergische Blätter, Mai 2013

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