Gitano, Zigeuner, Roma, Gypsy, Gitane, Sinti, Tinker – so viele Namen für die größte Minderheit in Europa wie Sichtweisen, Geschichten, Geraune und Berichte. So reich die Erzählungen auch immer sind, sie handeln – mehr oder weniger niveauvoll – von der Faszination der Mehrheit durch alles, was »Zigeuner« ist, aber auch von deren ausschließender Geste, die meist damit einhergeht. Die Wuppertaler Bühnen möchten sich mit diesem Projekt in dem Raum zwischen diesen beiden Polen bewegen: in einer künstlerischen Auseinandersetzung (auch) mit der romantisierenden Bild- und Musikwelt der Roma, aber auch durch die Teilnahme von Menschen, die hier in Wuppertal leben – z.B. an der Schwarzbachstraße in Oberbarmen, gar nicht weit weg vom Opernhaus. Hier ist die unmittelbare Nähe von industriellen Fertigungsstätten und den Wohnungen der Arbeiter augenfällig, aber nur noch Geschichte. Heute leben hier viele Roma-Familien mit den Nicht-Roma zusammen, den »Weißen« oder »Gadsche«, wie die Roma sagen. Unsere momentane Arbeit an dem Projekt ist ein Suchen – gefunden haben wir aber im Theater Kontrapunkt (Düsseldorf), einem gemischten Chor aus Oberbarmen, der Akademie der bildenden Künste (VŠVU) in Bratislava und in der Hauptschule Hügelstraße die wichtigsten Partner. Was wir noch suchen: einen Spielort in Oberbarmen und die Geschichten, die wir weitergeben. Die werden davon handeln, wie der Topos der Zigeuner als »fahrendes Volk« zum Signet für ganze Generationen – nicht nur hierzulande – zu werden verspricht, denen der permanente Wechsel von Beruf, Wohnort und Lebensumständen zur Normalität geworden ist.