»Già più le lagrime non hanno gli occhi miei!«
Der Griechenland-Schwerpunkt wäre unvollständig ohne ein Werk des wichtigsten Komponisten der ionischen Schule: Spyros Samaras (1861-1917) war Schüler von Léo Delibes und Jules Massenet in Paris und vor dem ersten Weltkrieg international anerkannt, in Italien, Frankreich und Deutschland wurden seine Opern erfolgreich aufgeführt. Sein bis heute bekanntestes Werk schuf er 1896: die Hymne für die olympischen Spiele der Neuzeit. Stilistisch denkt man bei seiner Musik unwillkürlich an den italienischen Verismo und an Puccini: In der Tat gehört er geradezu zu den Gründungsvätern dieser markanten Richtung: La martire ist 1894 in Mailand uraufgeführt worden und gehört somit in die erste Phase des Verismo. Mit Puccini hat er sogar den Librettisten gemeinsam: Luigi Illica, der später für Puccini die Libretti zu La Bohème, Madama Butterfly und Tosca schuf, lieferte den Text zu La martire, der allen Anforderungen dieses am französischen Naturalismus orientierten Opernstils gerecht wird: In einer kleinen Stadt am Ufer der Donau in Rumänien lebt Natalia mit ihrem Mann, dem Hafenarbeiter Tristano und ihrer kranken Tochter. Die Ehe ist schon lange für Natalia zur Qual geworden: Tristano ist untreu, alkoholabhängig und streitsüchtig. Über den Tod der Tochter kommt es zu einer letzten Auseinandersetzung. Natalias früherer Geliebter, Mikael bietet ihr an, mit ihm zu fliehen, aber Natalia schafft es nicht, diesen Ausweg anzunehmen und tötet sich. Samaras Musik schildert das Leben und die Gefühle der einfachen Leute in dieser kleinen Stadt, die Straßensänger, die Auseinandersetzungen der Hafenarbeiter, die leidenschaftlich aufgeladene Atmosphäre, die hilflose Verzweiflung der Natalia und die Liebe Mikaels eindringlich und mit mitreißender Melodik.
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