Berthold Schneider

Berthold Schneider
© Jens Großmann

Seit Beginn der Spielzeit 2016/17 ist Berthold Schneider Intendant der Oper Wuppertal. Inzwischen wurde das Haus vielfach bei Kritikerumfragen z.B. in Die Welt, Opernwelt oder beim Deutschen Theaterpreis »Der Faust« in Kategorien wie »Beste Inszenierung«, »Bestes Theater« oder »Beste Nachwuchskünstler« nominiert. Weithin beachtete Wuppertaler Produktionen waren die erste Musiktheaterarbeit des Inszenierungskollektivs Rimini Protokoll mit John Cage‘s ›Europeras 1&2‹ (2019), die erste Inszenierung im westlichen Ausland des russischen Jungstars Timofey Kulyabin mit ›Rigoletto‹ (2016) oder die Inszenierung von ›Luisa Miller‹ durch die Gewinnerin der Opera Awards 2017, Barbora Horáková Joly. Im Herbst 2019 wurde das auf Berthold Schneiders Initiative hin gegründete »Opernstudio NRW« eröffnet – eine Kooperation des Aalto Theater Essen, der Oper Dortmund, des Musiktheater im Revier Gelsenkirchen und der Oper Wuppertal, gefördert durch das Land NRW.

Berthold Schneider wurde 1965 in Marburg an der Lahn geboren. Nach dem Abitur absolvierte er eine Ausbildung zum Pianisten an der Musikakademie Kassel, arbeitete kurz als Korrepetitor und setzte dann seine Studien an der University of Iowa (USA) fort, die er mit dem Master of Arts der Opernregie abschloss. Es folgten Festengagements als Musikdramaturg am Staatstheater Braunschweig, den Städtischen Bühnen Münster und dem Nationaltheater Mannheim.

Von 1999 bis 2005 war Berthold Schneider Künstlerischer Leiter der »staatsbankberlin«, einem interdisziplinären Aufführungsort am Berliner Gendarmenmarkt. Hier wurden unter seiner Leitung Konzerte, Ausstellungen, Opern und Diskussionsreihen realisiert. Internationale Stars wie das Arditti String Quartett, Bazon Brock oder LaMonte Young waren dort ebenso vertreten wie experimentelle Künstler der Berliner Szene. Seit Ende der neunziger Jahre tritt Berthold Schneider als Regisseur meist interdisziplinärer Musiktheater-Produktionen in Erscheinung. Besondere Beachtung fanden seine Inszenierungen der Berliner Erstaufführung von ›Einstein on the Beach‹ (mit einer Sondergenehmigung von Philip Glass und Bob Wilson), der Uraufführung von Franz Schuberts rekonstruierter Oper ›Sakontala‹ am Saarländischen Staatstheater, die 2010 von der Zeitschrift Opernwelt in der Kategorie »Uraufführung des Jahres« nominiert wurde, sowie der ersten Aufführung der Oper ›Three Tales‹ von Steve Reich an einem Theater außerhalb der Festivalszene (Oper Wuppertal, 2016).

In der Spielzeit 2005/06 war Berthold Schneider als Chefdramaturg der Oper Dortmund tätig, um im Sommer 2006 als Operndirektor an das Saarländische Staatstheater zu wechseln. Unter seiner Leitung erhielt die Saarbrücker Oper den »Preis der Deutschen Theaterverlage« für das beste Opernprogramm. Mit dem Verlag Arthaus wurden DVDs von Vladimir Deshevovs Revolutionsoper ›Eis und Stahl‹ und ›Agrippina‹ produziert, es wurde wiederholt ein Millionenpublikum über Live-Sendungen der European Broadcast Union erreicht und großformatige Projekte mit La fura dels baus oder Royston Maldoom realisiert. Von 2012 bis 2014 war Berthold Schneider als Referent für internationale Kooperationen an der English National Opera, London, tätig. Anschließend wechselte er für eine Spielzeit als Operndirektor ans Staatstheater Darmstadt.

Unter der Intendanz von Berthold Schneider entwickelte sich die Oper Wuppertal schnell zu einem dynamischen Haus, das stark international vernetzt ist und mit einem klaren programmatischen Profil arbeitet. Bereits in der ersten Spielzeit der Intendanz gewann das neu engagierte Ensemblemitglied Catriona Morison den international renommierten Wettbewerb »BBC Cardiff Singer of the World« in beiden Kategorien Oper und Lied. Für die exzellente internationale Vernetzung steht eine Vielzahl von Koproduktionen mit Partnern wie der English National Opera, London, der Deutschen Oper Berlin oder dem Theater Klagenfurt. Für die von Berthold Schneider konzipierte Werbekampagne »Wir lieben WOpertal« wurde die Oper Wuppertal mit dem Designpreis »Lisa 2018« ausgezeichnet. Das seit 2016 jährlich stattfindende Festival ›Sound of the City‹, das Oper und Stadtgesellschaft in engen Austausch miteinander bringt, wurde 2019 in die Förderung des Landes NRW im Rahmen des Programms »Neue Wege« aufgenommen.